Kirche Kellinghusen/Hennstedt

Ev.-Luth. Kirchengemeinde Kellinghusen

Kirche Hennstedt

Die Orgel

Kirche Kellinghusen Orgel

Die Orgel wurde 1930 nach dem großen Kirchenbrand von der Firma Sauer (Frankfurt a. d. Oder) mit pneumatischen Taschenladen gebaut und umfasst auf 3 Manualen und Pedalwerk 35 Register (davon 2 Transmissionen aus dem Schwellwerk) mit ca. 2500 Pfeifen. Obwohl die Disposition sich bereits an der Orgelreformbewegung der 20er Jahre orientiert, die durch die Firmen Walcker und Sauer maßgeblich geprägt wurde, weisen die Register noch weitgehend romantische Mensuren auf und klingen daher sehr weich und voll, dabei jedoch niemals schrill, so daß die für den mittelgroßen Kirchraum doch reichlich bemessenen 35 Register den Zuhörer nicht erschlagen. Die Disposition und Bauweise ist auch aus dem Grunde interessant, weil Sauer (und andere Firmen) zur selben Zeit durchaus noch große Orgeln mit romantischen Dispositionen gebaut haben. Wir haben es also mit einem der wenigen erhaltenen Instrumente aus der Übergangszeit zwischen romantischem und neobarocken Orgelbau zu tun.

1960 wurde die Orgel von der Firma Kemper aus Lübeck elektrifiziert, wobei die pneumatische Anlage innerhalb des Gehäuses jedoch erhalten blieb, so daß die Ton- und Registersteuerung jetzt auf elektropneumatische Weise geschieht. Im Rahmen der Umbauarbeiten wurden auch drei Register umgesetzt (Sauer hatte interessanterweise das Krummhorn im Hauptwerk, die Trompete im Schwellwerk und die Schalmei im Rückpositiv plaziert) sowie die Oktave 2' im Hauptwerk eingebaut; das Instrument wurde jedoch ansonsten im Originalzustand belassen. Eine Besonderheit stellt die Schwellvorrichtung dar: anstelle des sonst üblichen Balanciertrittes findet man einen einrastenden Fußtritt (ähnlich wie z. B. bei französisch-romantischen Orgeln), nach dessen Betätigung ein ca. 5 Sek. dauernder, pneumatisch gesteuerter Schwellvorgang in Gang gesetzt wird.

Von den vielen erhaltenen Sauer-Orgeln, gibt es neben der Kellinghusener Orgel nur zwei Instrumente (in Polen und Dänemark), bei der Sauer diese Taschenkegellade gebaut hat. Das macht das Instrument zu eine Besonderheit, die unbedingt für den Erhalt spricht. 2015 war es mittels vieler Spendengelder möglich, die alte „Königin“ grundlegend zu restaurieren. So wurde im Hauptwerk die von Sauer disponierte Gambe 8' rekonstruiert und die pneumatische Schwellvorrichtung durch eine stufenlose Schwellanlage ersetzt. Des weiteren wurden alle Taschen neu beledert und die dazugehörigen Relais ersetzt. Undichte Zwickel in den Bälgen erforderten ebenfalls eine neue Beklebung. Beim Ausbau der Pfeifen kam ein Riss über die gesamte Windlade des Rückpositivs zum Vorschein, auch dieser wurde von der Firma Scheffler repariert. Den Abschluss der Restaurationsarbeiten bildete die Neuintonierung nach Sauer'schem Vorbild.

Disposition der großen Sauer-Orgel in der St. Cyriacus-Kirche Kellinghusen

I. Rückpositiv II. Hauptwerk III. Schwellwerk Pedal
Gedackt 8' Bordunprinzipal 16' Quintatön 16' Prinzipal 16'
Prinzipal 4' Prinzipal 8' Holzflöte 8' Subbaß 16'
Oktave 2' Rohrflöte 8' Salizional 8' Gedackt 8' (TM)
Waldflöte 1 1/3' Quintade 4' Rohrflöte 4' Violon 8'
Schweitzerpf. 1' Oktave 4' Spitzflöte 4' Spitzfl. 4' (TM)
Zimbel 3fach Gambe 8' Nasat 2 2/3' Oktave 2'
Krummhorn 8' Rauschpfeife 2fach Rohrflöte 2' Mixtur 5fach
- Mixtur 4-6fach Terz 1 3/5' Posaune 16'
- Trompete 8' Scharff 4-5fach Trompete 4'
- - Schalmei 8' -

Spielhilfen

  • 6 Normalkoppeln
  • Handregister
  • 3 freie Kombinationen
  • 2 freie Pedal-Einsteller
  • Tutti
  • Tremulanten für SW und RP
  • Zungen Einzelabsteller
  • Zungen ab
  • Walze an/ab
  • Koppeln aus der Walze
  • Schweller

Weitere Instrumente in der St. Cyriacus-Kirche

Fahrbare Truhenorgel (Becker/Kupfermühle)

  • Gedackt 8'
  • Rohrflöte 4'
  • Prinzipal 2'
  • Quinte 1 1/3'
  • - Transponiereinrichtung -

Sperrhake-Cembalo (8', 4', Lautenzug)