Glockengeläut

Glockengeläut?

Haben Sie die Glocken gehört: 07.00 Uhr, 12.00 Uhr, 18.00 Uhr und jetzt extra auch 19.30 Uhr? Die Glocken rufen dazu auf, innezuhalten, ein Gebet zu sprechen, eine eigene kleine Andacht zu halten, morgens, mittags und abends. Das Läuten während des Vaterunser-Gebetes im Gottesdienst dient auch dazu, dass alle, die nicht am Gottesdienst teilnehmen können, wissen: jetzt wird in der Kirche das Vaterunser gebetet und jetzt können wir es zu Hause mitsprechen. Über Jahrhunderte haben Konfirmandinnen und Konfirmanden Lieder, Gebete und Psalmen auswendig gelernt, um diese Text zur Verfügung zu haben, wenn man sie wirklich einmal braucht - oder dreimal täglich. Wer diesen Schatz nicht mehr hat, kann im Gesangbuch nachlesen, das es früher immer zur Konfirmation als Geschenk gab, oder er kann im Internet viele Tagzeitengebete, Stundengebete und Gebete aller Art finden. Zum Beten extra in die Kirche zu gehen, ist im evangelisch – Lutherischen Bereich unnötig. Protestanten brauchen weder Heiligenbilder noch Marienstatuen noch dergleichen, um beten zu können. Die häusliche Andacht kann man dagegen ausgestalten, indem man auf einen geschmückten Tisch eine Kerze stellt, den Glocken lauscht, seine für jeden individuell passende Texte liest, hört oder betet. Ein Gebet findet Gehör auch mit ganz modernen Worten und selbst mit unaussprechlichen Gedanken. Ich weiß: das, was ich hier schreibe, hört sich für manche sehr fremd an. Aber viele Generationen von Menschen haben lange Krisen- und Kriegszeiten gerade auf diese Weise besser überstanden. Anderen dagegen ist es eine lang eingeübte Gewohnheit, den Tag mit seinen Alltagsdingen dreimal zu unterbrechen und sich mit der Kraftquelle zu verbinden, die Ängste überwinden kann, die heilen kann, und die das eigene Leben wieder zurecht rücken kann: Begegnung mit unserem Gott, der uns Segen und Leben zusagt. Bleiben Sie gesund und behütet.

Ihr Pastor Lothar Volkelt