Passionszeit 2020

Passionszeit 2020

Das ist die Zeit, sich sieben Wochen lang vorzubereiten auf Ostern. Oder sollte ich besser sagen, es war die Zeit, sich auf Ostern vorzubereiten, denn wer tat das dann noch? 7 Wochen ohne Fleisch zu essen, ohne Alkohol, ohne Musik und Tanz, ohne Süßigkeiten. So lebt doch wohl niemand mehr in dieser Zeit. Auch ich nicht, auch wenn ich immerhin auf meinen geliebten Rotwein sieben Wochen lang verzichte. Auch das ist nur noch ein symbolischer Rest dessen, worum es in der Passionszeit geht. Denn diese Zeit stellt in Frage. Wie gehst du um mit dem Gedanken an den Tod? Wie betrachtest du das Leiden in dieser Welt? Was trägt dich hindurch, wenn nichts mehr trägt? Was brauche ich wirklich und worauf kann ich gut und gerne verzichten? Und dann Ostern. Ein Neuanfang, ein Sonnenaufgang, neues Licht, das neue Chancen sichtbar macht, neue Wärme, Arme und Beine werden leichter und kommen wieder in Bewegung. Neues Leben, dem der Tod nichts anhaben kann. Knospen blühen auf an scheinbar toten Bäumen. Die Vögel kommen zurück und singen. Dass Ostern gerade in Frühling stattfindet hat zwar seinen Grund an die Terminbindung an das Passafest, aber einen besseren Termin hätte man gar nicht finden können, denn die ganze Natur wird so zu einem Symbol für das neu erwachende Leben. Und in diesem Jahr? Jetzt ist alles anders. Es geht nicht um Verzicht auf Schokolade, sondern das Leben selbst ist in Gefahr. Es geht nicht um ein Glas Rotwein, sondern um die finanzielle Existenz mancher Betriebe. Echte Passion, echtes Leiden. Kein Symbol für etwas, sondern gelebte Wirklichkeit. Aber die Fragen, die diese Zeit aufwirft, sind dieselben: Was brauche ich wirklich, was ist mit wichtig, was macht mein Leben aus, was trägt mich über alle Angst und alles Leiden und allen Tod hinaus? Waren zuvor manche meiner Wünsche für mein Leben sehr egoistisch, - „Ich zuerst“, „Was nützt es mir“ -, so stellen sich jetzt ganz andere Fragen angesichts der Tatsache, dass ich nur noch ich bin, ganz alleine für mich. Die Frage nach einem Gott, der mir all das beantwortet, der mich begleitet, der mich nicht alleine lässt, auch wenn ich ganz alleine bin, der mir Leben zusagt, auch wenn ich mich vor dem Tod fürchte, der für mich Ostern werden lässt und Zukunft für mich hat, solche Fragen stellen sich jetzt von ganz allein. Solche Fragen und Überlegungen sind anstrengend und es braucht seine Zeit, Antworten zu finden. Aber Zeit haben wir jetzt mehr als genug. Also warum nicht einmal wirklich in der Passionszeit diesen Fragen nachgehen und all das in Ruhe durchdenken. In Ruhe geht das, weil Gott uns zusagt: „Siehe, ich bin bei euch, alle Tage, bis an der Welt Ende.“ Wir sind also nicht allein. Und wir wissen, dass es Ostern werden wird. Am Ende ist das Grab offen, der Stein weggewälzt und dann sind da Licht und Wärme und Freude und Leben. In Bezug auf Gott stimmt, was heute hier und da zu lesen ist: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“ Auch Ostern ist da eher ein Anfang. Aber davon ist erst zu reden, wenn es so weit ist.

Bis dahin wünscht Ihnen ein Gefühl tiefer Geborgenheit in Gottes Liebe Ihr Pastor Lothar Volkelt